Volkskrankheit Depression

Jeder fünfte durchleidet im Laufe seines Lebens eine Phase der Schwermut. Doch die Gemütsstarre ist heilbar

Stern 51/1994, S. 38 ff.

Mit jedem Winter kam die Schwermut. Wenn die Tage kürzer wurden und die Lichteinstrahlung sich verringerte, verfinsterte sich auch die Seele von Marlies B. "Ich haßte die Dunkelheit und die Kälte", sagte die 46jährige aus Leverkusen. Da schwelgte sie gerade noch in vorweihnachtlicher Freude, aber dann war sie plötzlich "wie gelähmt". Alles wurde ihr zuviel, "das Leben lief wie in Zeitlupe". Jahrelang litt das frühere Fotomodell an solchen Winterdepressionen. Erst diesen Herbst fand sie die richtige Klinik und wurde geheilt. ...

Doch so verbreitet Depressionen sind, so selten werden Sie richtig behandelt. Nur jeder dritte, der darunter leidet, sucht den Arzt auf. Der wiederum erkennt nur bei jedem zweiten, daß hinter Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit in Wahrheit eine Depression steckt - und greift dann nur bei etwa jedem siebten zur richtigen Therapie. Jeder zehnte, der ohne Hilfe in einer tiefen Schwermut versinkt, setzt seinem Leben selbst ein Ende.

Heute stehen vier weitere Gruppen antidepressiv wirksamer Medikamente zur Verfügung, so daß bei Unverträglichkeit gewechselt werden kann. Frei von Nebenwirkungen wie Kreislaufstörungen, Mundtrockenheit und Zitteranfälle ist keines, aber Antidepressiva machen nicht süchtig.

Es gibt weitere Heilmöglichkeiten. Die Lichttherapie, eine täglich etwa zweistündige Bestrahlung mit grellem Kunstlicht (Helligkeit 2.500 Lux), die wie ein Sommerersatz wirkt, hilft gegen die Winterdepression.

     

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