Behandlung von Nierenerkrankungen

Begleiterkrankungen und Medikamente

Die Dialysebehandlung kann viele Aufgaben einer gesunden Niere übernehmen - aber leider nicht alle.

Was kann die Dialysebehandlung nicht leisten?

Sowohl die Hämodialyse als auch die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) sind zwar in der Lage, „Giftstoffe“, Stoffwechselprodukte und überschüssiges Wasser aus dem Körper zu entfernen sowie Blutsalze auszugleichen. Die Hormonbildung der Nieren ist durch die Dialysebehandlung allerdings nicht möglich.

Zu den Erkrankungen, die bei Dialysepatienten gesondert therapiert werden müssen, gehören:

Blutarmut (Anämie)

Die Behandlung der Blutarmut erfolgt durch eine eiweißreiche Ernährung, den Zusatz von Vitaminen, durch Eisenzufuhr und die Gabe von blutbildendem Hormon (EPO, s. u.).

Knochenstoffwechselstörungen

Weil Dialysepatienten eine spezielle Form des Vitamin D fehlt, das die gesunde Niere sonst produziert, kommt es zu erhöhten Phosphorwerten im Blut und damit zu Knochenerkrankungen. Diese können sich in Ablagerungen von Kalk rund um die großen Gelenke äußern und sogar zu einer Zerstörung des Skelets führen. Die Patienten klagen dabei über Juckreiz. Zur Behandlung werden Vitamin D-Präparate und Phosphatbinder eingenommen (s. u.).

Überfunktion der Nebenschilddrüsen (sekundärer Hyperparathyroidismus, kurz: sHPT)

Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen ist häufig die Folge eines Mangels an Vitamin D-Hormon und eines gestörten Calcium- und Phosphat-Haushalts. Diese ungünstige Kombination führt zum sog. sHPT, der wiederum die Knochen in Mitleidenschaft ziehen kann (s. o.). Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen wird mit einem sog. Calcimimetikum oder auch operativ behandelt (Entfernung der Nebenschilddrüse).

Erhöhter Blutdruck (Hypertonie)

Viele Patienten benötigen auch unter Dialysetherapie weiterhin Medikamente, die den erhöhten Blutdruck senken. Eine Hochdruck-Therapie ist besonders bei älteren Patienten wichtig, um die Gefahr eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts zu senken.

Noch ein wichtiger Hinweis: Jeder Dialysepatient benötigt ein Blutdruckmessgerät, um zu hohe und zu niedrige Blutdruckwerte zu kontrollieren. Hier ist ein elektronisches Gerät mit Messung am Oberarm zu empfehlen. Die Handhabung des Blutdruckmessgeräts erklärt Ihnen gerne Ihr Dialyseteam.

Arzneimittel unter Dialysetherapie

Dialysepatienten müssen eine ganze Reihe von Medikamenten einnehmen, um ihren Stoffwechsel in Balance zu halten und weitere Begleit- und Folgekomplikationen zu verhindern.

Phosphatbinder

Die Dialyse ist nur begrenzt in der Lage, das Phosphat während der Behandlung aus dem Körper zu entfernen. Deshalb ist es wichtig, das durch die Verdauung frei werdende Phosphat im Darm abzubinden. Diese Aufgabe übernehmen sog. Phosphatbinder. Das so gebundene Phosphat kann über den Stuhlgang auf natürlichem Wege den Körper wieder verlassen. Ist das Phosphat im Blut über längere Zeit stark erhöht, kommt es zu Juckreiz und Kalkablagerungen in Gelenken, Augen und auch zu Knochenerkrankungen.

Mit der Nahrung nimmt der Mensch circa 1 g Phosphat pro Tag auf.

Die tägliche Zufuhr dieser Phosphatbinder liegt bei mehreren Tabletten pro Mahlzeit, es gibt sie aber auch als Pulver. Wichtig ist, dass die Phosphatbinder während des Essens (nicht vorher!) eingenommen werden. Ohne gleichzeitige Nahrungszufuhr sind sie übrigens wirkungslos.

Kaliumbinder

Die sog. Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss) ist deshalb so heimtückisch, weil der Patient deren Symptome in der Regel nicht bemerkt.

Ein hoher Kaliumspiegel ist lebensgefährlich!

Kaliumbinder sollten Sie aber immer nur nach Anweisung des Arztes einnehmen. Die normale Dosis beträgt 1 bis 2 Beutel bzw. Messlöffel pro Tag. Als Präparate gibt es Anti-Kalium-Pulver (Anti-Kalium Na), Natriumpolystyrolsulfonat (Resonium) und CPS-Pulver. Relativ neu ist der Kaliumbinder Patiromer (Veltassa), der im April 2018 auf den Markt kam.

Eisentherapie

Durch den Blutverlust während der Dialysebehandlung (es verbleiben Blutreste im Dialysesystem), aber auch durch Blutabnahmen und andere Möglichkeiten von Blutverlust verliert der Dialysepatient pro Jahr etwa 2 Liter Blut, und damit auch jede Menge Eisen. Dieses Eisen wird in der Regel in Form von Eisenspritzen ersetzt und während der Dialyse dem Organismus zugeführt.

Blutbildendes Hormon

Blutbildendes Hormon (Erythropoietin, kurz: EPO) ist ein gentechnologisch hergestelltes Präparat, das bei Blutarmut (Anämie) eingesetzt wird. Dem Patienten wird EPO nach der Dialyse intravenös verabreicht, um den Gehalt an roten Blutkörperchen im Blut (den sog. Hb-Wert) anzuheben. Die Therapie ist sehr individuell und von vielen Faktoren, wie der Eisenversorgung des Dialysepatienten, abhängig. In der Regel wird ein Hb-Wert von 10 bis 12 g/dl angestrebt.

Vitamin D

Durch den gestörten Calcium- und Phosphat-Haushalt kommt es auch zu einem Mangel an aktivem Vitamin D. Dialysepatienten müssen deshalb Vitamin D-Präparate einnehmen, um eine Überfunkton der Nebenschilddrüsen (sekundärer Hyperparathyroidismus, kurz: sHPT) und damit Knochenerkrankungen zu verhindern, die durch den sHPT begünstigt werden.

Impfung gegen infektiöse Lebererkrankung (Hepatitis B)

Dialysepatienten haben gegenüber vielen Erkrankungen eine Abwehrschwäche, so auch gegenüber der infektiösen Lebererkrankung (Hepatitis B). Da eine Infektion mit Hepatitis B (z. B. durch Bluttransfusionen oder infizierte Mitpatienten) auch heute noch nicht vollständig verhindert werden kann, ist die Impfung nach dem heutigen Stand der Wissenschaft das einzig zuverlässige Mittel, um eine Leberentzündung zu verhindern. Weitere wichtige Impfungen sind die (Auffrisch)-Impfung gegen Tetanus, Keuchhusten und Diphtherie sowie die Pneumokokken- (Lungenentzündung), Herpes Zoster (Gürtelrose)- und Grippe-Schutzimpfung.